Mit Blekko das Web slashen

Wir sind es gewohnt, im Web zu surfen oder zu browsen, einige wissen sogar, wie man es wongt, aber geslasht haben wir es bisher wohl eher nicht. Das könnte sich in Kürze ändern.

Während mit Cuil ein Konkurrenzanwärter für Google und Bing still und heimlich die Weltbühne verlassen hat, begibt sich Blekko (Redwood City, Kalifornien) in die Public Beta Phase – man braucht keine Einladung mehr, um dabei zu sein.
Der Name hat offenbar keine tiefere Bedeutung, aber eine Geschichte.

Slash by dapito on flickr under Creative Commons http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/deed.en
Slash by dapito auf flickr unter CC

Eine einfache Suche mit Blekko zeigt zunächst einmal, dass der derzeitige Suchindex begrenzt ist und die derzeitigen Ergebnisse US-zentrisch sind. Hilfsweise wird Yahoo herangezogen (wobei sich Yahoo offenbar mittlerweile beim Bing-Index bedient).

Was habe ich in der kurzen Zeit, in der ich die Suchmaschine betatestete, über Blekkos Besonderheiten erfahren?
Das wichtigste Merkmal sind wohl Slashtags, die mit einem / eingeleitet werden. So liefert etwa eine Suche, an die “/blogs” angeschlossen wird, nur Ergebnisse aus Blogs. Es gibt hunderte bereits angelegter Slashtags und – hier kommt der Social Web Anteil – jede Nutzerin und jeder Nutzer kann beliebige Slashtags anlegen und gemeinsam mit anderen editieren.

Ich habe das testweise einmal durchgespielt. Zunächst einmal bemerkte ich, dass es keinen Slashtag für Creative-Commons-Inhalte gibt. Daraufhin habe ich der Slashtag “/creativecommons” angelegt und ein paar relevante Seiten hinzugefügt. Zur Ergänzung habe ich kurz bei delicious.com/popular/creativecommons nachgeschaut, welche CC-Seiten von Bloggern und Webdesignern für wichtig gehalten werden und diese ergänzt. Das Ergebnis war ein rudimentärer Slashtag, der es ermöglicht, nach Inhalten unter CC-Lizenz zu suchen. Zumindest ein Stück weit. Viele Inhalte sind entweder noch nicht zu finden oder gar mit nofollow gekennzeichnet und auch perspektivisch nicht auch diesem Wege zu erschließen.

Ein anschauliches Beispiel für die Funktionsweise von Slashtags bieten auch die Abfragen “harry potter /christianity” und “harry potter -/christianity”.

Die Nutzerschaft von Blekko darf auch Rückmeldung dazu geben, ob Suchergebnisse als Spam einzuschätzen sind. Das könnte sich noch als hilfreich herausstellen, falls sich tatsächlich genug aktive Nutzer finden.

Ich vermute zwar nicht, dass Blekko bei mir in absehbarer Zeit einen gleichberechtigten Platz neben Google, Bing und Ixquick erhält, dann und wann könnten die Features allerdings nützlich sein. Falls Google die Slashtag-Idee aufgreift und allgemeinverständlich umsetzt, wäre es wohl mit Blekko vorbei, falls die Macher nicht ein weiteres As im Ärmel haben.

PS (11.11.10): Erwähnte ich, dass ich bei der Recherche zu diesem Artikel zufällig gesehen habe, dass blekko T-Shirts verschenkt? Nein? Dann jetzt: Blekko verschenkt T-Shirts, bedingungslos und incl. Versand weltweit!

Promo-Shirt des Suchmaschinenbetreibers blekko

Freie Daten von Non-Profit-Organisationen

Behörden sehen sich zunehmend einer Forderung nach offener Bereitstellung von Daten gegenübergestellt. Der Wunsch, so viele Daten wie möglich so offen wie möglich zu erhalten, kann auch an gemeinnützige Organisationen (Non-Profit-Organisationen) gerichtet werden.

In ihrem Blog Nonprofits-vernetzt.de hat Dr. Brigitte Reiser heute einen lesenswerten Beitrag unter den Titel “Open Data und der gemeinnützige Sektor” veröffentlicht, der in diese Richtung weist.

In ihrem Beitrag lässt Sie auch Lucy Bernholz (Blueprint Research & Design) zu Wort kommen, die im März 2010 eine Reihe von Forderungen zum offenen Datenaustausch im Nonprofit-Sektor zu einem Manifest zusammengestellt hat.

Die Forderungen sind nachvollziehbar und nahezu durchgängig unterstützenswert.
Selbstverständlich gerät die Datenbefreiung schnell auch an Grenzen, zu nennen sind insbesondere Rechte Dritter und Datenschutz.

Nichtsdestoweniger sollten gemeinnützige Organisationen, die ja von Bürgerinnen und Bürgern unterstützt werden und auch weiterhin unterstützt werden wollen, auf ein möglichst hohes Maß an Transparenz hinwirken (siehe hierzu etwa spenden.de).

Rohdaten sollten nicht als Immaterialgut gehortet werden, sondern nach Klärung der Rechte und gegebenenfalls notwendigen Anonymisierungsmaßnahmen (etwa Aggregation) für andere Organisationen und Einzelpersonen zur Verfügung gestellt werden.

Dort wo staatliche Stellen fördernd eingreifen, sollten sie darauf Wert legen, dass mit öffentlichen Geldern gesammelte Daten nicht allein der geförderten Stelle gehören, sondern unter freien Lizenzen veröffentlicht werden.

Der offene Datenaustausch zwischen gemeinnützigen Akteuren ist meiner Meinung nach auf drei Ebenen wünschenswert: (1) Software, (2) Werke, (3) Datenbanken. Auf jeder der drei Ebenen gibt es eine besondere Ausprägung freier Lizenzen. Die ersten zwei werden vereinfachend mit einer Person in Verbindung gebracht: (1) für freie Software steht Richard Stallman mit GNU, (2) für Werke (Kulturvernetzung) steht Lawrence Lessig mit den Creative Commons Lizenzen.
Mittlerweile gibt auch passende freie Lizenzen für (3) Datensätze in Datenbanken. Auf Initiative der Open Knowledge Foundation (jetzt auch in Deutschland: http://okfn.de) sind die Open Database License (ODC-ODbL “Weitergabe unter gleichen Bedingungen” und – als Entwurf – ODC-By “Namensnennung”) und die Public Domain Dedication and Licence (PDDL) entstanden (Miller / Styles / Heath: Open Data Commons, 2008).
Mit der PPDL wird versucht, Daten praktisch gemeinfrei zu machen. Das gleiche Ziel wird mit der Creative Commons Lizenz CC0 angestrebt. Inwieweit eine Kompatibilität solcher Public Domain Lizenzen mit dem deutschen Immaterialgüterrecht herzustellen ist, bleibt noch zu klären.

Wenn einmal befreite Daten (mit klaren Angaben zu den Nutzungsrechten) in gemeinsame Datenbestände aufgenommen werden, kann sich ein neuer Blick auf größere Zusammenhänge ergeben (schönes Beispiel: http://www.gapminder.org).
Ein bemerkenswerter Datenpool für offene Daten ist das CKAN (Comprehensive Knowledge Archive Network).